DIE REIFUNG DER GESELLSCHAFT

Verfasst von Mag. Anne Greinz, November 2020

Ich wurde dieser Tage auf einen sehr spannenden, für mich völlig neuen Denkansatz aufmerksam gemacht:

 

Befindet sich die Menschheit gerade am Sprung von der Kindheit ins Erwachsenenalter?

 

Ist die Zeit, in der wir gesamtgesellschaftlich leben, wie die Pubertät zu sehen, und was heißt das dann für uns? Können wir Bürger uns mit Kindern vergleichen, die sich nicht mehr mit den Vorgaben der Eltern – die in dieser Metapher durch den Staat bzw. die Regierung repräsentiert werden – zufriedengeben möchten und sich nach einer anderen, für sie passenderen Lebensgestaltung sehnen?

Dazu habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, und diese möchte ich mit euch teilen.

 

Was heißt Pubertät?

Unter Pubertät verstehen wir aus pädagogischer Sicht die Entwicklungsphase des Menschen vom Kind zum jungen Erwachsenen. Diese Zeit ist von Veränderung, Ablösung, Selbstfindung und Reifung geprägt.

Viele verbinden damit auch eine Phase voller Herausforderungen, Hinterfragen sowie Austesten von bisher gekannten Regeln und Grenzen, Neuorientierung und Sinnsuche.

 

Woran merkt man denn, dass die Pubertät vorbei ist?

 

Aus meiner Sicht meist dann, wenn tragfähige und wichtige Entscheidungen getroffen sind, die auf gegenseitigem Respekt, beidseitigem Verständnis sowie Akzeptanz beruhen.

 

Wie ist die Pubertät zu überstehen?

 

Das fragen sich Kinder und Eltern meist gleichermaßen.

Ich würde sagen: mit Liebe, Sanftmut, Kommunikation, Vertrauen und Geduld.

 

In Liebe...

...sind wir miteinander verbunden und wollen nur das Beste füreinander.

Unabhängig davon, wie unterschiedlich Menschen sein mögen, diese Kraft verbindet uns in einer Tiefe und Stärke, die mit nichts vergleichbar ist.

Auch wenn es vordergründig Differenzen geben mag, können wir über dieses starke Gefühl wieder zueinander finden, wir müssen es nur zulassen.

 

In Sanftmut...

...wollen wir liebevoll und sorgsam miteinander umgehen und niemanden schaden.

Immer dann, wenn wir nicht einer Meinung sind, ist diese Tugend besonders von uns gefragt.

Versuchen wir doch, die guten Seiten, die Stärken und Ressourcen im anderen zu sehen, zu würdigen, anzuerkennen und uns auf diese zu fokussieren.

So erleben wir, wie viel mehr Freude, positive Überraschungen und Zuversicht uns das im Alltag bereitet.

 

Kommunikation - Miteinander reden

Das klingt so einfach und banal – im Alltag ist das aber oft ganz schön schwer umzusetzen.

Wir verstehen uns vielfach nicht und wir hören einander auch gar nicht richtig zu.

Manchmal glauben wir schon zu wissen, was das Gegenüber sagt oder will, und ein anderes Mal sind wir überhaupt nicht im Gespräch, sondern mit unseren Gedanken schon bei ganz anderen Dingen.

Einander verstehen bedeutet noch nicht, alles gut zu heißen.

Allerdings zeigt es die Bereitschaft, sich in andere hineinzuversetzen, empathisch zu sein und nachvollziehen können, was das Gegenüber bewegt.

In manchen Gesprächen fehlen uns die Sanftmut und die Geduld, wir wollen nur unsere Seite anerkannt wissen und vergessen, was es heißt, eine gute Lösung für alle zu finden.

Für konstruktive, tragfähige Lösungen braucht es immer die Bereitschaft aller Beteiligten, von den eigenen Vorstellungen und Überzeugungen loszulassen und offen für eine neue, gemeinsame Entscheidung bzw. Lösungen zu sein.

 

Vertrauen...

...brauchen wir für uns selbst, ineinander und in das Transzendente.

Alles fügt sich so, wie es sein soll.

Vieles haben wir nicht in der Hand, wir brauchen Vertrauen, dass alles einen Sinn hat, und Vertrauen in uns selbst, dass wir alles bewältigen können, was uns auferlegt ist oder an uns herangetragen wird.

Vertrauen darauf, dass der Mensch in der Tiefe seines Herzens gut ist.

Diese Haltung benötigt Übung, Rituale und Demut.

Vertrauen soll im Zwischenmenschlichen auf Gegenseitigkeit basieren und kann aufgebaut sowie geprüft werden.

Vertrauen entsteht manchmal erst recht, wenn Krisensituationen gemeinsam zu bewältigen sind und wir uns aufeinander verlassen (können).

Vertrauen entsteht, wenn wir miteinander reden, uns öffnen, mitteilen was uns bewegt und wir ehrlich zueinander sind.

 

Geduld.

Die Zeit des Wandels dauert, diesen Übergang müssen wir aushalten.

Geduldig sein heißt warten können, nicht Resignation.

So paradox es vielleicht klingt, erst recht in Zeiten, wo alles stressig und hektisch ist:

Besonders dann finde ich es wichtig, bewusst einen „inneren Stopp“ zu setzen, innezuhalten, Ruhe einkehren zu lassen, zu warten, nachzudenken.

Unsere Ungeduld hilft oft nicht weiter, ändert nichts an der Situation und kostet uns nur Kraft, die wir klüger einsetzen können.

Inspiriert von Silke Schäfer, Sternennews Ausgabe Nr. 219, www.silkeschaefer.com

Über die Autorin

Mag. Anne Greinz ist Pädagogin, Führungskraft, Trainerin und Seminarleiterin.

Seit kurzem ist sie auch Co-Founder von SOULGARDEN und derzeit wöchentlich in unserem Videoformat der META MOMENTE zu sehen.

 


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